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Sylt anno dazumal|Damals auf SyltSylt anno dazumal|Damals auf Sylt

Das damalige Leben auf Sylt war kein Zuckerschlecken: Das Dasein war karg, der Alltag ein echter Existenzkampf. Jahrhundertelang bildete der Fischfang die Existenzgrundlage der Sylter. Im 15. und 16. Jahrhundert war es der Heringsfang, ehe im 17. und 18. Jahrhundert die Epoche des Walfangs folgte. Dieser brachte der Insel den ersten Wohlstand. Von ihren monatelangen Reisen brachten die Sylter Seefahrer kostbares Inventar aus aller Herren Länder mit, um ihre Häuser auszustaffieren. Denn die Arbeit an Bord wurde gut entlohnt, und nicht wenige Sylter brachten es auf den Walfangschiffen gar bis zum Kapitän. Doch viele Männer mussten einen hohen Preis zahlen: Wenn die Schiffe unterwegs in einen Sturm gerieten, fanden die Besatzungen im Meer ihr Grab. So erklärt sich auch die überproportional hohe Zahl von Sylter Witwen zu Zeiten des Walfangs.
Die Arbeit an Land übernahmen die Sylter Frauen, die hierfür sehr geschätzt wurden.

Auch der Nachwuchs musste bereits im zarten Alter mit anpacken: Die Kinder halfen ihren Müttern dabei, Halme des Dünenhafers zu stricken und zu flechten, mit denen später das Reet auf den Dächern befestigt wurde. Schulunterricht fand nur unregelmäßig statt, fiel im Sommer sogar ganz aus, weil die Kinder auf den Weiden das Vieh hüten mussten.
Abwechslung in den Alltag brachten gelegentliche Feste und Vergnügungen. Eine beliebte Gewohnheit war das „Aufsitzen“: An langen Winterabenden war es üblich, den Nachbarn einen Besuch abzustatten. Dann saß man in der Wohnstube beisammen, erzählte sich im Schein der Öllampen wunderliche Sagen und Erlebnisse aus der Seefahrt. Die Frauen strickten und die Männer genossen ihre Tabakspfeifen.

Typisch für Sylt waren die rot-weißen Trachten der Frauen. Es gab Trachten für unterschiedliche Anlässe, etwa für den Alltag, für Hochzeiten oder für besondere Festtage. Je höher die soziale Stellung, desto üppiger war der Schmuck, mit dem die Tracht verziert wurde. Zudem war an bestimmten Details beispielsweise erkennbar, ob die betreffende Frau verheiratet oder noch ledig war. Die schmucke Sylter Tracht war auch über die Grenzen der Insel bekannt. Anno 1679 wurden einige Sylterinnen an den Hof des dänischen Königs bestellt, weil dieser ihre Kleidung begutachten wollte. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts verschwanden die Trachten dann zusehends von der Bildfläche.

Das alte Sylt ist heute noch lebendig: In dem Keitumer Museum „Altfriesisches Haus“ scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Hier wurde die frühere Wohnkultur originalgetreu nachgebildet und lädt den interessierten Urlauber zu einer Zeitreise in die Sylter Vergangenheit ein.

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