Im Laufe von acht Jahrhunderten hat sie viele Gläubige kommen und gehen sehen: Die Keitumer Kirche Sankt Severin, die aus rheinischem Tuff, Feldsteinen, Granit und Ziegelsteinen auf einem heiligen Hügel errichtet wurde. In dem nach einem Kölner Bischof benannten Gotteshaus finden sich viele sehenswerte Besonderheiten. Ältestes Relikt ist der um 1250 aus Sandstein gefertigte Taufstein. Tafelbilder, die Szenen aus der Passionsgeschichte zeigen, zieren den spätgotischen Schnitzaltar. Die Kanzel ist eine frühe Renaissance-Arbeit, die prächtigen Kronleuchter aus dem 18. Jahrhundert sind Stiftungen von Sylter Kapitänen. Eine weitere Besonderheit stellt der ausladende „Müllerstuhl“ neben dem Altar dar: In ihm nahm bei den Gottesdiensten der wohlhabendste Bürger, der Munkmarscher Müller, Platz.
Ein Prunkstück der Neuzeit ist die voluminöse Orgel, die 1999 durch einen vermögenden Gönner finanziert wurde. Die 3.145 Pfeifen messen von wenigen Millimetern bis zu fünf Metern und ermöglichen dem Organisten eine große Bandbreite der Orgelliteratur. Binnen 9.000 Arbeitsstunden wurden 18 Kubikmeter Holz, überwiegend Eiche, für das Instrument verarbeitet. Die alte Orgel, die zwei Jahrhunderte lang treu ihren Dienst versah, steht jetzt in einer katholischen Kirche in Polen.
Der spätgotische Turm gesellte sich erst um 1450 zur Kirche. Er diente in den folgenden Jahrhunderten als Fixpunkt für die Seefahrer und zeitweilig auch als Gefängnis. Auf dem angrenzenden Friedhof finden sich einige verwitterte Grabsteine alter Kapitänsfamilien. Neben dem Namen sowie dem Geburts- und Todesdatum sind viele der alten Grabplatten mit Zusätzen ausgeschmückt. Verschnörkelte Buchstaben künden vom Schicksal der Ahnen, etwa dieses Kapitäns: „In seiner frühen Jugend wurde er zur Grönländischen Seefahrt geführt, worauf er 47 Reisen, davon 37 als Commandeur, und die meisten mit glücklichem Erfolg gethan“. Auf dem Friedhof ruhen unter anderem auch die Verleger Rudolf Augstein und Peter Suhrkamp.
Hausherrin der Kirche ist seit 2005 Pastorin Susanne Zingel, Organist ist Alexander Ivanov. Bekannt ist Sankt Severin für die exquisiten „Mittwochskonzerte“. Zudem findet jeden Donnerstag um 16 Uhr eine Kirchenführung statt.
Weitere Infos finden Sie unter:
www.st-severin.de.